Donnerstag, 25.09.2014

08:00 - 09:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVIII

Vorsitz: Oswald, Frank (Frankfurt a. M.); Klein, Barbara (Frankfurt a. M.)
Diskutantin: Meyer, Sibylle (Berlin)

Emotionale und Soziale Robotik im Alter: Was kann, soll und darf sie leisten?

Neben Assistenzrobotern, die älteren Menschen oder deren Betreuern den Arbeitsalltag in unterschiedlicher Weise erleichtern können, halten in jüngster Zeit auch emotionale und soziale Roboter in Pflegekontexten oder genereller in Lebenswelten Älterer Einzug: Emotionale Roboter sind technische Systeme, die in der Lage sind mit Menschen so zu interagieren, dass diese die Interaktion als emotional wahrnehmen. In diesem Symposium werden zunächst Hintergründe und Befunde aus einem wissenschaftlichen Vorprojekt (ERimAlter) vorgestellt und diskutiert, dass anhand von subjektiven Bewertungen und Einschätzungen zweier unterschiedlicher Artefakte (Tierroboter, Telepräsenzroboter) durch Personen mit und ohne professionellem Bezug zum Altern in einem systematisch abgestuften Konfrontationsdesign der Frage nachgeht, bei welchen chronischen Krankheitsbildern, das heißt, bei welchen Funktionsverlusten bzw. für welchen Funktionserhalt emotionale und soziale Robotik eingesetzt werden können, welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen und wie Roboter-Artefakte für spezifische Zielgruppen optimiert werden können. Ebenso werden die erforderlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz untersucht. In einem zweiten Beitrag zum Projekt werden insbesondere Professionelle mit praktischer Erfahrung im Umgang mit der Roboterrobbe Paro adressiert. Der dritte Beitrag behandelt in Abgrenzung dazu Nutzungsanforderungen mobiler Telepräsenzsysteme für die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum. Schließlich werden in einem vierten Beitrag die rechtlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Einsatz emotionaler und sozialer Robotik im Alter dargelegt. Abschließend wird der Versuch unternommen, die Präsentationen sowie Möglichkeiten und Grenzen emotionaler und sozialer Robotik insgesamt aus ethischer Sicht und Nutzerperspektive auch vor dem Hintergrund sich wandelnder Bedürfnisse neuer Kohorten älterer Menschen zu diskutieren.

08:00 Uhr

F. Oswald; M. Knopf1; T. Kolling1; B. Klein2; J. Pantel3
AB Interdisziplinäre Alternswissenschaft, Fachbereich Erziehungswissenschaften, 1 Entwicklungspsychologie, Institut für Psychologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität, 2 Organisation und Management der Sozialen Arbeit, Fachbereich 4 Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachhochschule Frankfurt am Main, 3 Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie, Institut für Allgemeinmedizin, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.;

S305-01

Akzeptanz und Bewertung sozial-emotionaler Robotik: Ergebnisse aus dem Projekt „Chronische Krankheit, Funktionserhalt und Funktionsverluste im Alter - Soziale und emotionale Ansprache durch Technik“ (ERimAlter)

Vor dem Hintergrund einer begrenzten und nicht immer methodisch überzeugenden Befundlage zur Wirksamkeitsforschung sowie dem Fehlen einer jedenfalls systematischen Akzeptanzforschung im Hinblick auf Artefakte sozial-emotionaler Robotik, werden im Projekt „Emotionale Robotik im Alter“ (ERimAlter) auf der Basis einschlägiger Akzeptanzmodelle unterschiedlichen Personengruppen mit zwei Artefakten konfrontiert (Tierroboter PARO, Telepräsenzroboter GIRAFF). Dabei handelt es sich einerseits um ältere Menschen (auch pflegende Angehörige), andererseits um Professionelle aus verschiedenen Praxisfeldern der Altenarbeit (Leitungsebene, Pflege, Medizin). Die Interviews umfassen mehrere Schritte der Konfrontation (spontane Reaktion, Abfrage nach Text, Bild, Video, und Interaktion). Neben allgemeinen Hintergrundvariablen (z.B. Technikeinstellung, -erfahrung) werden im Hinblick auf die Artefakte sowohl vergleichende allgemeine Einschätzungen (Nützlichkeit, Bedienbarkeit, Wirksamkeit, Freude, Gefahren), als auch spezifische Bewertung (z.B. Bewältigung von Einsamkeit) erfragt. Erste Ergebnisse verweisen auf robotertypische Bewertungsprofile, bedeutsame Gruppenunterschiede und positivere Einschätzungen nach der konkreten Interaktion und der Präsentation von Anwendungsbeispielen.

08:20 Uhr

S. Rühl; S. Baisch1; A. Schall2; S. Selic3; Z. Kim1; T. Kolling1; B. Klein3; J. Pantel4; F. Oswald; M. Knopf1
AB Interdisziplinäre Alternswissenschaft, Fachbereich Erziehungswissenschaften, 1 Entwicklungspsychologie, Institut für Psychologie, 2 Gerontopsychiatrie, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Johann Wolfgang Goethe-Universität, 3 Organisation und Management der Sozialen Arbeit, Fachbereich 4 Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachhochschule Frankfurt am Main, 4 Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie, Institut für Allgemeinmedizin, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.;

S305-02

Der Einfluss professioneller Erfahrung auf Akzeptanz und Bewertung sozial-emotionaler Robotik: Ergebnisse aus dem Projekt ERimAlter zur Bedeutung der Roboterrobbe PARO

Angesichts gegenwärtiger demographischer Entwicklungen rückt die Frage, ob und wie sozial-emotionale Roboter künftig bei der Betreuung und Pflege von chronisch kranken älteren Menschen eine unterstützende sowie entlastende Funktion einnehmen könnten und welche Chancen als auch Risiken dieser Einsatz birgt, in den Fokus öffentlicher Diskussionen. Dementsprechend soll in der vorliegenden Präsentation auf diejenigen Ergebnisse des Projekts „Emotionale Robotik im Alter“ (ERimAlter) eingegangen werden, die sich aus der Befragung der Teilstichprobe von Professionellen mit praktischer Erfahrung im Umgang mit der Roboterrobbe PARO ergeben. Dies ist von besonderer Bedeutung, da PARO bereits in Praxisfeldern der Altenarbeit angewendet wird und dadurch Erfahrungswerte im Umgang mit sozial-emotionalen Robotern vorliegen. Während roboterunerfahrene potentielle Nutzergruppen nur hinsichtlich ihrer Ansprüche und Erwartungen befragt werden können, ist es bei Personen, die mit der Anwendung emotionaler Roboter erfahren sind, möglich, aus der Praxis resultierenden Erfahrungen und Erkenntnisse zur Nutzung der Roboterrobbe zu erheben. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise auf Akzeptanzvoraussetzungen, Einsatzmöglichkeiten sowie gelingende Einsatzformen und praxisnahe Erkenntnisse des Nutzens von emotionaler Robotik. Die Befunde basieren auf ausführlichen Experteninterviews mit n=30 Personen aus den Praxisfeldern Pflege und Therapie. Insbesondere werden Erwartungen vor dem Einsatz der Robbe, Beispiele aus konkreten Interaktionen in der Praxis, Erfahrungen nach dem Einsatz der Robbe und Zukunftsperspektiven von sozial-emotionalen Robotern untersucht und berichtet. Ein studienspezifischer Fragebogen, der für die Gruppe von potenziellen (ebenfalls n=30) und erfahrenen Nutzern entsprechend angepasst wurde, erlaubt den direkten Vergleich von Erwartungen an und Erfahrungen mit emotionaler Robotik. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Implementierung emotionaler Robotik in der Population älterer Menschen wird diskutiert.

08:40 Uhr

S. Selic
FH Frankfurt, Frankfurt a. M.;

S305-03

Potenziale mobiler Telepräsenzsysteme für die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum

Die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum ist ein zentrales Problem der Gesundheitspolitik. Der durch den Strukturwandel bedingte Anstieg pflegebedürftiger, älterer Menschen, der Mangel an Fachkräften und Dienstleistungsanbietern sowie weite Wegstrecken und die damit einhergehende soziale Isolation sind nur einige Faktoren, die eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Versorgung erschweren. Ein Leitziel der sozialen Pflegeversicherung (SGB XI) lautet ambulant vor stationär, d.h. ein längerer Verbleib in der eigenen Häuslichkeit soll ermöglicht werden. Welchen Beitrag sozial-emotionale Robotik bzw. ganz konkret mobile Telepräsenzsysteme (hier: GIRAFF) für die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum leisten können ist bislang empirisch wenig beforscht. Die vorliegende Arbeit untersucht dabei, wie Fachkräfte aus den Bereichen Hausnotruf und ambulante Pflege den Nutzen von GIRAFF für das eigene Berufsfeld einschätzen. Die Technikakzeptanzforschung geht davon aus, dass die Entscheidung über die tatsächliche Nutzung eines Produktes stark mit der subjektiv empfundenen Nützlichkeit für die eigene Arbeit und der Benutzerfreundlichkeit (Usability) zusammenhängt. Im Rahmen einer zweistufigen Delphi-Befragung wird zunächst die Benutzerfreundlichkeit des Geräts im Rahmen eines Usability-Tests untersucht. Die TeilnehmerInnen sollen das Gerät nach Vorführung eines Einführungsvideos und eines Steuerungstutorials von ihrem Arbeitsplatz aus in einer Testumgebung steuern und eine möglichst realistische Aufgabe erfüllen. Gemessen werden zum einen die benötigte Zeit sowie die Anzahl an Kollisionen, zum anderen die mentale Beanspruchung sowie die Gesamtbewertung der Benutzerfreundlichkeit anhand standardisierter Instrumente. In einem weiteren Schritt werden die TeilnehmerInnen mittels Leitfaden gestützten Interviews zu ihren Einschätzungen befragt. Die mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse gewonnenen Ergebnisse werden den Experten in einer zweiten Befragungsrunde für eine weitere Bewertung in anonymisierter Form vorgelegt. Zur besseren Beschreibung der Stichprobe werden Angaben zu den Personen und deren Arbeitsumfeld sowie Daten zu Techniknutzung und - erfahrung erhoben.

09:00 Uhr

S. Beck; H. Stefan1; B. Klein2
Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafrechtsvergleichung und Rechtsphilosophie, Leibniz Universität Hannover, Hannover; 1 Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sozial- und Gesundheitsrecht und Rechtsphilosophie, Ruhr-Universität Bochum, Bochum; 2 Organisation und Management der Sozialen Arbeit, Fachbereich 4 Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachhochschule Frankfurt am Main, Frankfurt a. M.;

S305-04

Rechtliche Rahmenbedingungen des Einsatzes Emotionaler und Sozialer Robotik im Alter

Der Einsatz neuer Technologien wie emotionale und soziale Roboter ist gerade auch bei vulnerablen Gruppen mit vielen offenen Fragen verbunden. Erfahrungswerte aus den bisherigen Pilot- und ersten Erprobungsstudien können noch lange nicht als gesicherte Erkenntnisse angesehen werden. Auch das Recht wird durch diese Entwicklungen vor neue Herausforderungen gestellt: Ist der Einsatz emotionaler Roboter (wie die therapeutische Robbe) angebracht bei bestimmten Erkrankungen, wer zahlt dann für den Einsatz? Gibt es Potenziale zur Anerkennung als Hilfsmittel? Was passiert, wenn ein Telepräsenzroboter durch die Wohnung eines Klienten gesteuert wird und z.B. ein wertvoller Gegenstand zu Bruch geht? Wer haftet für die Schäden? Wie sieht es bei dem Einsatz von Telepräsenzrobotern mit dem Datenschutz aus? Gibt es neue Anforderungen? Diesen und weiteren Fragen, insbesondere aus dem Sozialrecht und Haftungsrecht, wird in dem Beitrag im Detail nachgegangen.