Donnerstag, 25.09.2014

17:00 - 18:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVI

Vorsitz: Heusinger, Josefine (Berlin); Wolf, Jürgen (Magdeburg)
Diskutanten: Nolde, Hendrik (Magdeburg); Heusinger, Josefine (Berlin)

Perspektive Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung

Altern findet vor Ort in den Kommunen statt, hier treffen die Bedürfnisse älterer Menschen auf die Strukturen einer Verwaltung. Wie kann eine Kommunalverwaltung auf eine älter werdende Bevölkerung reagieren? Wo sind Möglichkeiten und wo sind Grenzen einer städtischen Verwaltung, wenn es um die Anpassung an die Bedürfnisse älterer Menschen geht? Die wachsende Bedeutung wird auch an der Themensetzung des Siebten Altenberichts der Bundesregierung deutlich, der unter dem Titel „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ steht.

Im Vordergrund der Auseinandersetzung um Verwaltungsmodernisierung stand in den letzten Jahren die Steigerung der Effektivität und Effizienz von Verwaltungsprozessen im Sinne einer kundenorientierten Dienstleistung. Demographische und gerontologische Aspekte gewinnen mehr und mehr an Bedeutung bei deren Gestaltung. Wie offen und flexibel eine kommunale Verwaltung gegenüber notwendigen Anpassungsprozessen sein kann und diese unterstützen kann, wurde im BMBF geförderten Projekt "Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung" von 2011 bis 2014 untersucht.

Die empirische Studie hat u.a. Interviews auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Organisationsbereichen geführt und diese einer qualitativen Inhaltsanalyse unterzogen. Im Rahmen des Symposiums werden zentrale Ergebnisse aus vier Bereichen: Beratung, Bildung, Wohnen und alternde Belegschaft vorgestellt. Im Feld der Beratung geht es um die Vernetzung von pflegeorientierten Beratungsangeboten auch jenseits von Pflegestützpunkten. Der Beitrag zum Wohnen im Alter geht auf das Altersbild der Verwaltungsmitarbeiter und Maßnahmen zur Erhöhung der Lebensqualität älterer Menschen im öffentlichen Raum und der Wohnungspolitik ein. Der dritte Beitrag, diskutiert die Perspektive auf eine Alternskultur auch in der Erwerbsarbeit und deren Wechselwirkungen mit seniorenfreundlichen Dienstleistungen. Der letzte Beitrag fasst die Fallstudie zusammen und verdeutlicht, welche Perspektiven für Stadtverwaltungen in der Auseinandersetzung mit Seniorenfreundlichkeit bestehen.

17:00 Uhr

P.-G. Albrecht
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S403-01

Gut beraten? Zusammenarbeit in der Beratung älterer Menschen

Soziale Beratung ist ein Kernbereich der Sozialen Arbeit. Entsprechend hat sich flächendeckend ein breites Angebot von Beratungsstellen mit unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkten etabliert. Spätestens seit der Einführung der Pflegeversicherung, stärker noch seit dem Pflegeversicherungsweiterentwicklungsgesetz von 2008, sind ältere Menschen über die allgemeine soziale Beratung und die spezifische Fachberatungsansätze (wie Suchtberatung) hinaus Zielgruppe einer pflegeorientierten Beratung.

Ob und wie diese Beratung auch jenseits von Pflegestützpunkten hinaus wirksam ist, ist ein Gegenstand des Forschungsprojektes „Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung“ der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Insbesondere im Blick auf den Stand der Vernetzung in der Beratungslandschaft der sozialen Beratung zeigt sich, dass auch in einer von Vielfalt geprägten Beratungslandschaft mit mannigfaltigen und langjährigen Vernetzungsstrukturen, ein Erlahmen, ja immer wieder ein Fragwürdigwerden von Vernetzung bei den Netzwerkpartnern festzustellen ist. Überraschend ist die Erkenntnis, wie sehr es darauf ankommt, Vernetzung als verbindliche Aufgabe jedes Einzelakteurs deutlich zu machen. Dazu kann die Implementierung allgemein bekannter Konzepte, z.B. des Case Managements ebenso seinen Beitrag leisten, wie sehr konkrete Vernetzungskonzeptionen, beispielweise im Umfeld der bundesweit agierenden Pflegestützpunkte.

Wird Kooperation nicht als Kernaufgabe in den Arbeitsaufträgen verankert, und wird der „Gewinn“ von Vernetzung den handelnden Beratern, ihren Geschäftsführern sowie den Klienten nicht deutlich, so wird Vernetzung, trotz aller gegenläufigen Bekundungen, als unwichtig bzw. nebensächlich angesehen und entsprechend realisiert bzw. gar unterlaufen.

17:20 Uhr

S. Dummert
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S403-02

Die Kommune als Arbeitgeber - Eine verwaltungsinterne Perspektive auf die Arbeitssituation älterer Beschäftigter

Hintergrund: Kommunen sind nicht nur gegenüber den älteren Bürgerinnen und Bürgern in der Verantwortung, sondern auch als Arbeitgeber gegenüber ihren alternden Belegschaften. Im Rahmen des Projektes SEFKOV (gefördert vom BMBF im Programm SILQUA 2011-2014) an der HS Magdeburg wurden Arbeitsbedingungen und Arbeitsalltag der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untersucht.
Zielsetzung und Fragestellung: Ziel des Beitrages ist es, kritisch zu hinterfragen, ob und wie sich die realen Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst trotz (oder sogar wegen) der Verbesserungsabsichten für die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt haben. Analysiert wird die Wahrnehmung des Umgangs mit den älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ihrer Bedeutung für die Kommunalverwaltung in der derzeitigen Umkehrung der Frühverrentung.
Methode: Leitfadengestützte qualitative Interviews mit 46 Personalverantwortlichen sowie älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Verwaltungsbereiche und Hierarchieebenen der ostdeutschen Beispielkommune Magdeburg. Die Auswertung erfolgte inhaltsanalytisch nach Mayring.
Ergebnisse und Diskussion: Insgesamt ergibt die Betrachtung – auch vor dem Hintergrund der proklamierten ‚Kultur des längeren Arbeitens‘ sowie einem ‚aktiven Altern‘ – eine Diskrepanz zwischen den beabsichtigten und festgeschriebenen Handlungsausrichtungen zu dem real gelebten Alltagshandeln in der Kommunalverwaltung. Zum einen ist ein inkrementelles Vorgehen ersichtlich, eine Gesamtstrategie im Umgang mit der alternden Belegschaft hingegen nicht. Es wird auf standardisierte Tools zurückgegriffen, für die jedoch eine klare Implementierungsstrategie fehlt, die die unterschiedlichen Interessen der Akteure mit einschließt. Zum anderen besteht den Ergebnissen zufolge ein blinder Fleck hinsichtlich der kulturellen Bedeutung von Alter und Altern im beruflichen Kontext. Statt konsequent die Relativität des Alterns im entsprechenden konkreten Kontext anzuerkennen, dominieren einfache Stereotype von vorhandener oder fehlender Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

17:40 Uhr

H. Nolde
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S403-03

Seniorenfreundliche Gestaltung von Stadtquartieren

Stadtentwicklung und insbesondere Stadtplanung steht vor Herausforderungen angesichts einer steigenden Zahl älterer Menschen. Im Zentrum der Diskussion stehen neben der Anpassung von Wohnraum auch die Förderung von Autonomie älterer Menschen durch eine integrierte, den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werdende Quartiersgestaltung. Der Anspruch Wohnen im Alter in der vertrauten Umgebung zu gewährleisten ist dabei nicht unwesentlich von Stadtverwaltungen beeinflusst.
Im Beitrag wird am Beispiel einer qualitativen Studie in Magdeburg dargestellt, wie Stadtverwaltungen Seniorenfreundlichkeit wahrnehmen und welche Aspekte für deren Herstellung von Bedeutung sind. Gegenstand der Untersuchung war zum einen die Perspektive der Stadtverwaltung auf den öffentlichen Raum. Angelehnt an den Kriterienkatalog altersfreundlicher Städte der Weltgesundheitsorganisation werden Maßnahmen und deren Bedeutung für die Stadtverwaltung dargelegt und auf Gemeinsamkeiten und Widersprüche untersucht. Deutlich wird in den Ergebnissen, dass Barrierefreiheit als eine gemeinsames Ziel aller Akteure angesehen wird, aber die Herstellung von Aufenthaltsqualität und der Nutzen von Kooperationen innerhalb der Stadtverwaltung und mit älteren Menschen unterschiedlich wahrgenommen wird . Möglichkeiten und Grenzen hinsichtlich des Gestaltungsanspruchs in der Wohnungspolitik sowie der Nahversorgung bilden den zweiten Schwerpunkt. Es wird aufgezeigt, wo sich Schnittstellen im Gestaltungsanspruch eines seniorenfreundlichen Quartiers zwischen Sozialplanung, Stadtplanung, Seniorenvertretern und Wohnungsbauunternehmen befinden. Unterschiedliche Verständnisse von seniorenfreundlicher Gestaltung von Stadtquartieren erfordern jedoch Aushandlungsprozesse. Eine engere Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit lokalen Akteuren und eine moderierende sowie informierende Rolle der Kommune bei der Schaffung von alternativen Wohnformen und vor allem bei Wohnraumanpassungen, ist als ein zentraler Baustein einer seniorenfreundlichen Kommune zu verstehen.

18:00 Uhr

J. Wolf
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S403-04

Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung - Erfahrungen und Perspektiven

In dem SILQUA-Projekt "Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung" (2011-2014), dessen Resultate im Zentrum der Beiträge des Symposiums stehen, wurden die kommunalen Verwaltungsstrukturen und -prozesse untersucht, die eine Voraussetzung für die Umsetzung des Leitbilds einer "altersfreundlichen Kommune" bilden.

In dem Beitrag werden die Einzelergebnisse zusammengefasst und auf ihre Konsequenzen für die weitere Beschäftigung mit Fragen Kommunalentwicklung im demografischen Wandel hin befragt.

Grundlage hierfür bildet ein weit gefasster Begriff von Seniorenfreundlichkeit mit partizipativen und advokatorischen Aspekten, die von barrierefreien Zugängen zu Behörden bis hin zu gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten älterer Bürger reichen. Dabei stellen sich Fragen nach allgemeinen und zielgruppenspezifischen Strategien bzw. nach dem Verhältnis zu konkurrierenden Leitbildern wie z.B. der Familien- oder Behindertengerechtigkeit.

Es wird aufgezeigt, in wiefern die Befunde als Grundlage für die weitere Diskussion des Leitbilds der „Seniorenfreundlichkeit“ und der strukturellen Grundlagen einer alternsfreundlichen öffentlichen Daseinsvorsorge herangezogen werden können. Darüber hinaus wird die Frage nach ihrer Generalisierbarkeit in Richrung der Definition eines Bausteins für die globale „Age-friendly Cities“-Debatte aufgeworfen und kritisch diskutiert.