Donnerstag, 25.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVI

Vorsitz: Heusinger, Josefine (Berlin)

Aktuelle Entwicklungen in der stationären Pflege???

11:00 Uhr

J. Heusinger; K. Kammerer
Institut für gerontologische Forschung e. V., Berlin;

S418-01

Notwendigkeit, Wirkungen und Erfahrungen mit spezifischen Angeboten der Alltagsgestaltung für Männer in Pflegeheimen

Hintergrund: Der Alltag pflegebedürftiger Menschen im Heim ist häufig geprägt von fremdbestimmten Routinen, die wenig Spielraum für Eigeninitiative und Individualität lassen. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass Genderunterschiede und genderspezifische Bedürfnisse kaum reflektiert werden. Auch fehlt es für die qualitative Weiterentwicklung von Pflegeeinrichtungen an wissenschaftlich fundierten Grundlagen dazu. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) führt das Projekt „Bedürfnisgerechte Pflege und Genderaspekte“ mit dem Ziel durch, Erkenntnisse über Bedarf, Möglichkeiten und Umsetzungsstand einer genderspezifischen Pflege in Heimen zu gerieren. In diesem Rahmen wurde das IGF e. V., Berlin, beauftragt, die Literaturstudie „Pflege und Gender“ durchzuführen, in der der Forschungsstand zu Angeboten der Alltagsgestaltung für Männer dargestellt wird. Eine darauf aufbauende repräsentative Erhebung des Ist-Zustandes in bundesdeutschen Pflegeeinrichtungen steht kurz vor dem Abschluss.
Zielsetzung: Die Literaturstudie dokumentiert den deutsch- und englischsprachigen Forschungsstand zu Notwendigkeit, Wirkungen und Erfahrungen mit spezifischen Angeboten der Alltagsgestaltung für Männer in Pflegeheimen.
Methoden: Recherchiert wurde in sozialwissenschaftlichen, pflegerischen und medizinisch ausgerichteten Datenbanken. Die Suche erbrachte 35 Publikationen zur Fragestellung, die zusammen mit 39 anderweitig recherchierten Quellen ausgewertet wurden.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen große Forschungsdefizite. So existieren nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Angebote für Männer im Heim. Nach derzeitigem Kenntnisstand herrschen stereotype Vorstellungen vor, die der Heterogenität individueller und geschlechtsspezifischer Bedürfnisse (unterschiedliche soziale Lage, Biografien etc.) der BewohnerInnen von Pflegeeinrichtungen nicht gerecht werden. Befunde aus der Praxisforschung zeigen, dass Männer von geschlechtsspezifischen Angeboten sehr profitieren können, aber auch an gemischtgeschlechtlichen Angeboten interessiert sind. Empfohlen wird, Angebote mit den Bewohner/-innen gemeinsam zu entwickeln. Dies erfordert jedoch entsprechende Ressourcen und Rahmenbedingungen.

11:20 Uhr

F. Schönberg; G. Techtmann
Alters-Institut, Stabsabteilung Altenhilfe, Evangelisches Johanneswerk e. V., Bielefeld;

S418-02

„Entwicklung und Erprobung eines Qualitätsstandards für die pharmazeutische Betreuung von Apotheken im Geschäftsfeld stationäre Altenhilfe des Ev. Johanneswerks“

Die Altenheime des Ev. JW sind der Ort, an dem der „Hochrisikoprozess Arzneimitteltherapie“ unmittelbar zum Tragen kommt. Derzeitige gesetzl-Regelungen und „gute Praxis“ in den Einrichtungen reichen für einen optimalen Prozess nicht aus – perspektivisch bedarf es der geteilten (und refinanzierten) Verantwortung. Das Projekt (Laufzeit April 2014 bis Dezember 2014) sieht folgende Schritte vor:
(1) Es besteht eine Lieferantenbewertung der Vertragsapotheken der Einrichtungen des Ev. Johanneswerks (IST-Analyse)
(2)Im Geschäftsfeld Altenhilfe des Ev. Johanneswerks sind auf der Grundlage der IST-Analyse Qualitätsstandards für die Lieferantenvereinbarung formuliert.
(3)Es besteht ein Musterkonzept für die pharmazeutische Betreuung, das Aufgaben, Rollen und Inhalte von Pflegeheim und Vertragsapotheke beschreibt, das fachliche und betriebswirtschaftlich tragfähig ist.
(4)Qualitätsstandards und Musterkonzept sind im Geschäftsfeld Altenhilfe des Ev. Johanneswerks bekannt.
(5)Qualitätsstandards und Musterkonzept sind den Apotheken an den Standorten der Einrichtungen bekannt.
(6)Einrichtungen und Vertragsapotheken erproben Qualitätsstandards und Musterkonzept.
(7)Qualitätsanforderungen und Musterkonzept sind evaluiert.
Im Rahmen des Projektes kommen folgende Methoden und Instrumente zum Einsatz: •Schriftliche Befragung (Fragebogen) bei 32 Einrichtungen der Altenhilfe (für die Lieferantenbewertung)
•Schriftliche Delphi-Befragung “Fachliche Bewertung des Musterkonzeptes“ an Apotheken, die sich im Einzugsbereich der Einrichtungen des Ev. JW befinden sowie an AMTS Apotheken(n= 200, geschätzt).
•Im Rahmen der Evaluation Befragung der Versorgungsapotheken (Fragebogen) sowie Vor-Nachher Abgleich der Zusammenarbeit.

11:40 Uhr

M. Blum; U. Fachinger1
Ökonomie und Demographischer Wandel, Institut für Gerontologie, Universität Vechta, Vechta;

S418-03

Laufbahnen in der Altenpflege? Vergütungs- und Refinanzierungsoptionen horizontaler Karrierepfade

Angesichts des potentiellen Fachkräftemangels im Altenpflegesektor wird die Notwendigkeit der Erhaltung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit von älteren Erwerbstätigen sowie die Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes für Nachwuchskräfte in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion hervorgehoben. In diesem Zusammenhang eröffnen horizontale Laufbahnkonzepte umfassende Gestaltungsspielräume für eine kompetenzbasierte und alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung. Prinzipiell führt dies zu einer Erhöhung der Leistungsbereitschaft und –fähigkeit der Beschäftigten und kann sich auf die unternehmensspezifische Lohn- und Gehaltsstruktur auswirken. In diesem Kontext ist der Beitrag der Frage nach der Notwendigkeit und den potentiellen Möglichkeiten einer laufbahnbezogenen Anpassung bzw. Neugestaltung der Vergütung bei gegebenen gesetzlichen und tarifvertraglichen Rahmenbedingungen gewidmet.

Ausgehend von einer Dokumenten- und Literaturanalyse zur Erfassung und Darstellung des Status quo der Lohn- und Gehaltsstruktur im Altenpflegebereich wurde anhand von Fallstudien ergänzend die Umsetzung der gesetzlichen und tarifvertraglichen Rahmenbedingungen in einzelnen Unternehmen eruiert. Auf Basis der Fallstudien erfolgte zudem die Identifikation von Hemmnissen (Kosten, Refinanzierungsnotwendigkeit etc.) und Potenzialen (Erhöhung der betrieblichen Effizienz und Effektivität, Verbesserung der Arbeitszufriedenheit etc.), welche gegebenenfalls mit der Adaption eines der kompetenzbasierten Laufbahngestaltung adäquaten Entgeltsystems einhergehen. Expertengespräche mit übergreifenden Akteuren im Gesundheitswesen (Kostenträger, Gewerkschaften) dienten der Aufdeckung weiterer vergütungs- bzw. refinanzierungstechnischer Impulse und gleichzeitig der Rückkopplung einrichtungsspezifischer Erkenntnisse.

Auf dieser Grundlage werden anhand verschiedener Laufbahnszenarien Rahmenbedingungen für ein Entgeltsystem zur Unterstützung der Personalentwicklung aufgezeigt. Dabei wird besonderer Wert auf Anreizstrukturen inklusive der versorgungsrechtlichen Aspekte sowie der Identifikation von potentiellen Problembereichen und Gestaltungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund der gesetzlichen und tarifvertraglichen Bedingungen gelegt.