Montag, 12.09.2022

13:00 - 14:00

Hörsaal 9

Gedenken an Ursula Lehr

(Auszug aus dem Nachruf der DGGG auf Ursula Lehr;
siehe Homepage der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie; siehe auch Homepage der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie)

Die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) beklagt einen großen Verlust, der Herz und Seele der Gesellschaft und der Gerontologie insgesamt tief berührt: Frau Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ursula M. Lehr ist am 25.04.2022 nach kurzer schwerer Krankheit in ihrem Heimatort Bonn gestorben. Ursula Maria Lehr hat Außerordentliches für den Aufbau und die Ausgestaltung der Gerontologie in Deutschland, der gerontologisch-entwicklungspsychologischen Forschung im engeren Sinn und der gesellschaftlichen und politischen Anerkennung des Alters geleistet. Ein Meilenstein der gerontologischen Forschung in Deutschland, aber auch international, war die zusammen mit Hans Thomae erfolgte Etablierung der Bonner Gerontologischen Längsschnittstudie im Jahre 1965, die dann bis zum Jahre 1983 weiterlief und auch weit darüber hinaus noch Daten und Ergebnisse lieferte bzw. zu einer Vielzahl von Konferenzbeiträgen und Publikationen führte. Im Jahre 1972 kam ein weiterer Meilenstein hinzu; es erschien die „Psychologie des Alterns“, die bis heute 11 Mal (zuletzt 2006) neuaufgelegt wurde. In diesem mit dem Max-Bürger-Preis der DGGG geehrten Lehrbuch trat psychologische Forschung zum Altern zum ersten Mal im Reigen der psychologischen Disziplinen als eigene, in sich geschlossene Gestalt auf. Das in diesem Werk zum Ausdruck kommende sehr große Engagement von Ursula Lehr für die gerontologische Lehre fand dann später (1986) in der Gründung eines Post-Graduierten-Studiums am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg Gestalt. Ende der 1970er Jahre folgte ein weiterer Meilenstein, der es in sich hatte: Ihre „Interventionsgerontologie“ (1979). Ein relativ schmales Bändchen, das wiederum völlig selbstverständlich interdisziplinär angelegt war und argumentierte, dass Altern alles andere als ein festgefügtes biologisches Programm darstellt, sondern plastisch und veränderbar ist. Seit diesem Band ist Interventionsgerontologie fest im Kanon der gerontologischen Fächer bis heute verankert. Ursula Lehr war von 1997 bis 1998 Präsidentin der DGGG, sie war über lange Jahre höchst engagiert auf den wissenschaftlichen Kongressen der DGGG und sie fungierte viele Jahre zusammen mit I. Falk als Teil der Schriftleitung der Zeitschrift für Gerontologie, die heute Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie heißt. Zu den zahlreichen Auszeichnungen von Ursula Lehr zählen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1987), das Große Verdienstkreuz mit Stern (2014), die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (1999) sowie rezent der ConSozial Wissenschaftspreis (November 2021) für ihr Lebenswerk.

Moderation: H.-W. Wahl, Heidelberg; A. Kruse, Heidelberg

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