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Ein differenziertes Altersbild in die Gesellschaft und Politik tragen
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Rekordbeteiligung mit 1.200 Teilnehmenden, renommierte Keynote-Speaker aus sieben Ländern rund um den Globus, viel positive Energie und gelebte Interdisziplinarität: Das und noch viel mehr zeichnete den Gemeinschaftskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main aus. Die Kongresspräsidenten Prof. Michael Denkinger (DGG) und Prof. Hans-Werner Wahl (DGGG) ziehen ein Resümée für die Altersmedizin und Alternsforschung und ihre gesellschaftliche Bedeutung.
Wie fühlen Sie sich nun wenige Tage nach dem Kongress?
Michael Denkinger:
Ich bin immer noch überwältigt von der Zahl der Teilnehmenden, von denen viele noch bis zum letzten Kongresstag geblieben sind – das ist nicht selbstverständlich. Ein bisschen erschöpft bin ich auch, aber auf die angenehme Art, weil gemischt mit viel Zufriedenheit über das Erreichte und mit einem Staunen über das, was wir alle auf die Beine gestellt haben.
Hans-Werner Wahl:
Ich bin auf positive, erfüllte und ein wenig stolze Weise ermattet. Mich hat die Teilnehmendenzahl auch wirklich überrascht. Das ist ein gutes Momentum für die deutsche Alternsforschung samt deren Anwendung.
Was lief in Ihren Augen besonders gut?
Denkinger:
Die neue DGG-App mit den eingebundenen Postern hat wunderbar funktioniert. Die Technik in den Räumen hat sehr gut geklappt dank Romy Laurisch und Ihrem Team von aey Congresse. Auch die Industrie hat zur positiven Gesamtatmosphäre beigetragen, weil sie überdurchschnittlich stark ausgestellt hat. Die ein oder andere kleine Mini-Krise haben wir auch gemanagt – ein Dank dafür auch an die flexiblen und motivierten Referentinnen und Referenten! Fantastisch waren die Keynotes, sodass wir sogar am Samstag noch volle Hörsäle hatten. Und die Junge Geriatrie, unsere Nachwuchsorganisation, überrascht immer wieder mit tollen Aktionen wie dem Flashmob „Alter braucht Zukunft“!
Wahl:
Von Anfang an habe ich eine positive Dynamik gespürt. Das Wechselspiel von größeren Foren und wertvollen Gesprächen mit einzelnen Kongressteilnehmenden zwischendurch fand ich großartig. Unsere internationalen Keynotes hatten sehr hohe Qualität und wurden von vielen Gästen als bedeutsame Anreicherung ihres Arbeitens mit nach Hause genommen. So viele „Junge“ zu erleben, die sich für Alternsforschung und -praxis begeistern, ist natürlich auch fantastisch.
Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Wahl:
Die vielen Begegnungen mit lieben Kolleginnen und Kollegen und auch mit den internationalen Keynotern, die teilweise ja von weither angereist waren. Auch das Gedenken an verstorbene Mitglieder geht mir immer noch lange nach. Die Campus-Führung, die wir dieses Mal angeboten haben, war auch klasse. Die wirklich tolle Zusammenarbeit mit der DGG, vor allem mit Michael Denkinger, und der Kongressagentur wird mir lange in Erinnerung bleiben. Die Etablierung der Jungen Gerontologie auf diesem Kongress ist für mich außerdem ein Meilenstein.
Denkinger:
Die tolle Zusammenarbeit wird mir definitiv auch in Erinnerung bleiben – das ist gelebte Interdisziplinarität, die beide Fachgesellschaften voranbringt! Gern denke ich auch an den unglaublichen Support aus der Mitgliederversammlung zurück: Sie haben der Satzungsänderung und unserem Weg zu mehr Professionalisierung zugestimmt – auch dort, wo Veränderungen zunächst Zumutungen bedeuten können.
Was waren Ihre persönlichen Highlights?
Denkinger:
Der extrem schöne Gesellschaftsabend über den Dächern von Frankfurt, der Science Slam mit einem unnachahmlichen Felix Treder und natürlich unser Gerisong Remix.
Wahl:
Das Zusammengehen von wissenschaftlicher Substanz, schönen Begegnungen, dem anregenden Campus und dem durchgängig schönen Wetter war ein großes Geschenk für mich in der Rolle des Ko-Kongresspräsidenten. Die Positionierungen meiner Fachgesellschaft, zum Beispiel in Form von Sessions über die Abgrenzung zum Rechtspopulismus und -extremismus, fand ich sehr relevant.
Gab es ggf. etwas für Sie Überraschendes oder neue Erkenntnisse?
Denkinger:
Besonders gefreut hat mich die Offenheit für Neues. Diese Offenheit werden wir brauchen. Denn die Rahmenbedingungen für die Geriatrie werden nicht einfacher. Die heutige OPS-Landschaft wird sich verändern – das hat die Keynote von Prof. Christian Karagiannidis sehr deutlich gemacht. In den derzeitigen Reformvorhaben liegen Risiken, aber auch Chancen. Wir müssen beides benennen und die Veränderungen mitgestalten, statt ihnen hinterherzulaufen – aber auch sehr deutlich darauf hinweisen, wenn evidenzbasierte, wirksame funktionelle Geriatrie auf Kosten der Patienten durch neue Strukturen abgebaut wird.
Wahl:
Es ist immer wieder die Suche und das Bestreben danach, Altern und die Rolle alter Menschen in unserer Gesellschaft besser zu verstehen. In einer zunehmend „disruptiven“ Welt wird sich auch Altern erneut deutlich verändern. Die Keynote von Prof. Rick Settersten aus den USA fand ich hier richtungsweisend. Ich bin beruhigt, dass der Hype um „Longevity“ nicht alles dominiert hat – im Gegenteil, er blieb eher im Hintergrund.
Was nehmen Sie als Take-away für den kommenden Gemeinschaftskongress mit?
Wahl:
Die Zusammenarbeit der DGGG und DGG muss so erfolgreich wie jetzt fortgeführt werden. In Zukunft würde ich mir noch mehr Formate mit direkter, synergiereicher Interaktion wünschen und die internationalen Keynoter könnten wir eventuell noch stärker und nachhaltiger einbinden. Pressekontakte zu TV und herausragenden Printmedien könnten noch verbessert werden.
Denkinger:
Wir könnten die Jungen Geriatrien aus den DACH-Ländern noch mehr verbinden und mindestens immer zwei Symposien aus Österreich und der Schweiz dabeihaben. Und natürlich unbedingt auch wieder unsere Luxemburger Freunde!
Welche Botschaft möchten Sie abschließend an Ihre Mitglieder senden?
Wahl:
Ein differenziertes Altersbild in die Gesellschaft und Politik tragen – das können wir alle nach diesem Kongress noch besser! Machen wir’s auch!
Denkinger:
„We are Geriatricians“ ist nicht nur eine Phrase, sondern eine Haltung. Trotz schwieriger Bedingungen und noch deutlich zu wenig Wertschätzung des Geriatrischen Teams, schwierigen Fragen der Weiterbildung und fehlender Definitionen wichtiger geriatrischer Syndrome können wir stolz sein auf das Erreichte. Aus diesem Selbstbewusstsein heraus sollten wir unsere zentralen Botschaften mutig nach außen und in die Politik tragen!
Foto: Michael Frietsch


