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Gerontologie-Nachwuchspreis: Vera Gallistl für innovative Forschung zu Alter(n), Künstlicher Intelligenz und Hochaltrigkeit ausgezeichnet
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(24. September 2026) Der mit 2.500 Euro dotierte Margret- und Paul-Baltes-Preis der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) geht 2026 an Dr. Vera Gallistl vom Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems/Österreich. Die Assistenzprofessorin verbindet innovative Forschung zu Alter(n) im Kontext aktueller, gesellschaftlicher Transformationen – wie Künstliche Intelligenz, De-Industrialisierung und Klimawandel – mit internationaler Vernetzung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und besonderem Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Auszeichnung wurde ihr nun im Rahmen des gemeinsamen Jahreskongresses der DGGG und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt am Main überreicht.
„Vera Gallistl steht beispielhaft für eine junge Gerontologie, die wissenschaftlich anspruchsvoll, gesellschaftlich relevant und interdisziplinär ausgerichtet ist“, betonte DGGG-Präsident Dr. Hans-Werner Wahl bei der Preisverleihung. „Sie greift Fragen auf, die unsere Gesellschaft heute und in Zukunft beschäftigen – von Künstlicher Intelligenz über Klimawandel und De-Industrialisierung bis hin zur zunehmenden Hochaltrigkeit – und macht sichtbar, welche Bedeutung diese Entwicklungen für ältere Menschen haben. Mit ihrem Engagement in Forschung, Lehre, Wissenschaftsorganisation und Gesellschaft verkörpert Vera Gallistl in besonderer Weise den Geist von Margret und Paul Baltes.“
Alter(n) neu denken: Forschung an gesellschaftlichen Zukünften und Widersprüchen
Gallistls Weg in der verhaltens- und sozialwissenschaftlichen Gerontologie beginnt früh: Bereits während ihres Studiums beschäftigte sie sich etwa mit gemeinschaftlichen Wohnformen oder dem Ausgleich von Bildungsungleichheit im späteren Leben. In ihrer mit dem so:wi Doc Preis der Universität Wien ausgezeichneten Dissertation entwickelte sie Ansätze des „Doing Age“ weiter und untersuchte, wie Alter im kulturellen Feld hergestellt und erlebt wird. Seit ihrem Wechsel vom Institut für Soziologie der Universität Wien zum Kompetenzzentrum für Gerontologie an der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems hat sie in den vergangenen sechs Jahren neun Projekte eingeworben und eine hochkompetente Forschungsgruppe für internationale gerontologische Projekte aufgebaut und geleitet. „Gerontologie kann gesellschaftliche Veränderungen nicht nur beobachten. Sie muss sich aktiv in die Debatten über unterschiedliche gesellschaftliche Zukünfte einbringen und Stellung beziehen“, sagt Gallistl. „Mich interessiert deshalb besonders, was Alter(n) an der Schnittstelle zu gesellschaftlichen Transformationen wie die Entwicklung hin zur Künstliche Intelligenz oder der Klimawandel für ältere Menschen bedeuten und wie wir diese Transformationen aus gerontologischer Perspektive kritisch und konstruktiv mitgestalten können.“
Künstliche Intelligenz und Hundertjährigkeit im Fokus
Beispielsweise im Projekt ALGOCARE untersuchte ihr Team frühzeitig die Perspektiven älterer Menschen auf KI. Gemeinsam mit internationalen Kollegen entwickelte und publizierte Gallistl zudem das Konzept einer „Political Economy of Ageing and AI“. Seit 2026 leitet sie den österreichischen Teil des Marie-Skłodowska-Curie-Doktorandennetzwerks Digi4Age, das die Rolle älterer Menschen in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz untersucht. Im Projekt CLARA entwickelte ihr Team einen praxistheoretischen Zugang zur Hundertjährigkeit und bezog Menschen über 100 Jahre aktiv und partizipativ in den Forschungsprozess ein. Damit trägt Gallistl zugleich zur Weiterentwicklung der Kulturgerontologie im deutschsprachigen Raum bei. „Mich fasziniert, wie vielfältig Alter(n) sozial, kulturell und materiell sein kann, wie widersprüchlich, fluide und gestaltbar es ist, und wie stark gesellschaftliche Vorstellungen unsere Wahrnehmung des Alters prägen“, erklärt die Preisträgerin. „Gerontologische Forschung sollte deshalb nicht nur über ältere Menschen forschen, sondern gemeinsam mit ihnen neue Perspektiven entwickeln.“
Nachwuchsförderin und interdisziplinäre Netzwerkerin
Neben ihrer Forschung zeichnet sich Gallistls Arbeit durch ein besonderes Engagement für Nachwuchswissenschaftler aus. Sie hat bislang zahlreiche Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen betreut und unterstützt junge Forschende bei Publikationen und wissenschaftlichen Präsentationen. Ihre Lehrveranstaltungen verbinden gerontologisches Wissen mit Perspektiven aus Soziologie, Psychologie, Medizin, Ernährungswissenschaft und Innovationsmanagement. Auch institutionell setzt Gallistl auf Vernetzung: Sie gehört zu den Gründerinnen des internationalen Socio-Gerontechnology-Netzwerks und engagiert sich innerhalb der DGGG unter anderem als Sprecherin der Arbeitskreise Materielle Gerontologie und Geragogik.
Über den Margret- und Paul-Baltes-Preis
Der Margret- und Paul-Baltes-Preis wird von der DGGG alle zwei Jahre an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die bereits zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn herausragende Beiträge zur verhaltens- und sozialwissenschaftlichen gerontologischen Forschung geleistet haben. Der Preis ist mit 2.500 Euro und einer Urkunde verbunden. Mit der Auszeichnung erinnert die DGGG an das Ehepaar Margret M. und Paul B. Baltes, die international bedeutende Beiträge zur psychologischen Alternsforschung leisteten.
Mehr Informationen über den Preis: Margret- und Paul-Baltes-Preis - Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V.


